Maria Montessori

Menschenbild nach Maria Montessori

Das Kind steht im Mittelpunkt der Pädagogik Maria Montessoris. Durch ihre genauen und differenzierten Beobachtungen von Kindern – bereits von Geburt an, kam sie zu der Überzeugung, dass diese die wahren Baumeister ihrer selbst sind. Sie gewann die Erfahrung, dass jedes Kind über einen inneren Bauplan der Seele und über vorbestimmte Richtlinien für die eigene Entwicklung verfügt. Bei ihren Beobachtungen empfand sie sehr oft große Hochachtung gegenüber dem Kind, das seine Persönlichkeit ganz aus sich selbst heraus entfalten kann. Und kein Erwachsener kann in Wirklichkeit den Zeitpunkt bestimmen, wann ein Lerninhalt gelernt wird. In dieser ganz eigenständigen Persönlichkeitsentfaltung ist das Kind entscheidend auf seine Umwelt angewiesen, in erster Linie sind hier die Eltern besonders gefragt. Das Kind agiert bei diesem Prozess nicht als passives leeres Gefäß, sondern als aktiv aufnehmendes Wesen.

„Die Eltern sind die Wächter des Kindes, aber nicht seine Bauherren. Sie müssen es pflegen und beschützen im tiefsten Sinne dieser Worte, gleich einem, der eine heilige Aufgabe übernimmt, die über die Anliegen und Begriffe des äußeren Lebens hinausreicht.“( M. M. Kinder sind anders)

Nur der religiöse Mensch, das ließ sie sich nicht ausreden, besitze wirklich Respekt vor Kindern:

„Die wahre Ehrfurcht vor dem Kind ist – wenn man unseren Egoismus und unser Verlangen nach Herrschaft und Macht berücksichtigt –nur möglich, wenn man Gott im Kind ehrt.
Wer nicht an Gott glaubt und wer den Menschen selbst als höchstes Wesen betrachtet, der fällt unerbittlich und beginnt zweifellos unter dem Anschein von Sorge einen wahren Kampf mit dem Kind, um aus ihm das zu machen, was er sich selbst als Modell und Ideal gedacht hat.“ (Maria Montessori)

 

Die Montessori-Pädagogik ist eine Friedenspädagogik. In unserer Schulfamilie legen wir großen Wert auf die Einübung sozialen Verhaltens, friedliche Konfliktlösung und eine aktive Gestaltung des Gemeinschaftslebens. Montessori plante bereits für die ganz jungen Kinder die Übungen von Höflichkeit und Anmut ein, die das Kind in die Lage versetzen soll, respektvollen Umgang mit anderen zu pflegen. Dies beginnt beim Öffnen der Tür, Grüßen, Gratulieren bis hin zum Reflexionsgespräch über Achtsamkeit oder Hilfsbereitschaft. Die Pädagoginnen begleiten die Kinder aufmerksam bei ihrer Entwicklung zu einem selbstbewussten, eigenverantwortlichen Mitglied der Gemeinschaft.
Maria Montessori ist der Überzeugung, dass der Weg der Erkenntnis nur über die Sinne führen kann, und dass geistiges Wachstum an die Entwicklung und Vervollkommnung der Sinneswahrnehmung gebunden ist. Das Kind lernt nach einem inneren Bauplan und am leichtesten durch konkrete Tätigkeiten mit konkreten Materialien. Wiederum durch genaues Beobachten von Kindern hat Montessori ihre Materialien entwickelt. Ihr Ziel war, durch die praktische Tätigkeit mit diesen Materialien die Sinne und die Motorik zu schulen und zu verfeinern, sowie das Erlernen der Kulturtechniken zu ermöglichen. Die Entwicklungsmaterialien für Sprache und Mathematik unterstützen die Vorgänge des Verstehens, Erkennens und Begreifens.

 

„Führt euer Kind immer nur eine Stufe nach oben.
Dann gebt ihm Zeit, zurückzuschauen und sich zu freuen.
Lasst es spüren, dass auch ihr euch freut, und
es wird mit Freude die nächste Stufe nehmen.“

Diesem Menschenbild gemäß entwickelte sie ihre Grundprinzipien ihrer Pädagogik.
Der Mensch ist der Baumeister seiner selbst, das heißt, dass das Kind seine Arbeit frei wählen kann. Diese Freiheit „WOZU?“ muss erlernt werden. So muss der Erzieher den ordnenden Rahmen sorgsam stecken. „Einem Kind seinen Willen lassen, dass den Willen noch nicht entwickelt hat, heißt, den Sinn der Freiheit verraten!“

Freiheit entfaltet sich immer in einem Rahmen. Das heißt, dass das Kind sich an Grundregeln hält. Dazu gehören: Niemand wird unnötig bei seiner Arbeit gestört – weder Kind noch Erwachsener! Wir gehen achtsam miteinander um! Was wir beginnen, beenden wir auch!
Wissen braucht auch Nahrung. Das heißt, dass dem Kind eine Umgebung vorbereitet wird. Dazu gehört, dass die Umgebung dem Kind angepasst, überschaubar, geordnet ist und Aufforderungscharakter besitzt: „Nimm mich und übe mit mir!“
Die sensiblen Phasen sind Zeitfenster, in denen für einen gewissen Lernschritt offen und bereit sind.